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Hebammenerklärung

Die Teilnehmerinnen des Halbjahrestreffens des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit in Berlin am 29. und 30.06.2012 appellieren an den Bundesgesundheitsminister und den GKV-Spitzenverband Bund, das Recht von Schwangeren, Gebärenden und Müttern auf eine Versorgung durch Hebammen zu stützen und nicht zu behindern!

 

  • Seit 2009 hat etwa jede vierte freiberufliche Hebamme die Geburtshilfe aufgegeben.
  • Krankenhäuser schließen ihre Geburtsstationen, weil sie keine Beleghebammen mehr finden.
  • Der durchschnittliche Jahresumsatz einer außerklinisch tätigen Hebamme liegt bei etwa 24.000 Euro.
  • Derzeit zahlen Hebammen knapp 3.700 Euro Prämien für die berufliche Haftpflicht pro Jahr. Der Satz steigt jetzt auf 4.200 Euro, die nächste Erhöhung ist für 2014 bereits angekündigt.
  • Die Alleinhaftung für Folgen aus Geburtskomplikationen in der außerklinischen Geburtshilfe liegen bei der betreuenden Hebamme – 30 Jahre lang.

 

 

Wir fordern: Hebammen endlich angemessen bezahlen!

Politik und Krankenkassen müssen handeln – jetzt!

Hebammen begleiten Schwangere bei einer guten, selbstbestimmten Geburt. Ihr Wissen und ihre Erfahrung tragen wesentlich dazu, Komplikationen zu verhindern. Sie vermitteln Ruhe und Selbstvertrauen in einer existenziellen Ausnahmesituation. Ihre hohe Kunst ist das Wissen um Nicht-Intervention. Sie helfen Gebärenden, auf die in ihr wohnenden Kräfte zu bauen. Sie geben dem Ungeborenen die Zeit, die es braucht, um auf die Welt zu kommen. Ihre Begleitung im Wochenbett hilft in einem selbstvertrauten, angstfreien Umgang mit dem Neugeborenen. Die Mutter kann Vertrauen entwickeln in die Fähigkeiten ihres Kindes.

 

Wir fordern die Krankenkassen auf, das Können der Hebammen angemessen und existenzsichernd zu bezahlen und ihren großen Beitrag zur Vermeidung von – kostenintensiven – Komplikationen unter der Geburt anzuerkennen.

Wir fordern die Bundesregierung auf, die 2006 zugesagte Erhöhung der Vergütung von Hebammenleistungen jetzt einzulösen.

Wir treten dafür ein, Schwangerschaft und Geburt nicht als Risiko, sondern als natürliche, gleichwohl außergewöhnliche Lebensphase zu sehen. Schwangere Frauen sind nicht in erster Linie gefährdet – sie brauchen Unterstützung und Zuspruch, um auf die Kräfte ihres Körpers vertrauen zu können.

Die Kaiserschnittrate liegt in Deutschland bei 31,9 Prozent – die WHO hält 15 Prozent für normal. Eine kontinuierliche Betreuung durch Hebammen hilft, die Kaiserschnittrate zu senken.

Wir stehen für eine Aufwertung des Hebammenberufes. In der Versorgung Schwangerer sollten sie eine größere Rolle spielen als bisher.

Wir setzen uns für nichts weniger als einen Perspektivwechsel ein: Schwangere Frauen sind nicht kein Krankheitsrisiko. Sie sind gesund – und erwarten ein Kind.

Eine Haltung des Wertschätzens und des Gewinns muss die derzeitige risiko-orientierte, Gefahren-betonte und medikalisierte Anschauung und Behandlung von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ablösen.

 

Wir brauchen die Hebammen!

Ihre Leistung muss anerkannt werden!

 

Berlin, der 30.06.2012

Für die Teilnehmerinnen des Halbjahrestreffens des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit: Dr. Ute Sonntag, Ulrike Hauffe

 

Die Kaiserschnitt-Kampagne des AKF hat jetzt eine eigene Kampagnen-Webseite. Nun kann online unterzeichnet werden: www.akf-kaiserschnitt-kampagne.de

Wir wollen etwas bewegen!