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Gemeinsame Presseerklärung des Deutschen Hebammenverbandes, des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands und des Netzwerks der Geburtshäuser

Bei dem heutigen  Spitzengespräch zwischen den gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) und den maßgeblichen Hebammenverbänden kam, was kommen musste: Der GKV-SV versuchte die Hebammen mal wieder mit Krümel, die als Kuchen deklariert waren, abzuspeisen. Von dem Gespräch, zu dem der GKV-SV die Hebammenverbände zur Vermeidung eines Schiedsverfahrens  in der laufenden Verhandlungsrunde geladen hatte, erwarteten sich die Hebammen ein deutlich verbessertes Angebot. Stattdessen  wiederholte der GKV-SV lediglich sein vormaliges Angebot. Nur unter inakzeptablen  Zusatzbedingungen könnte sich der GKV-SV im nächsten Jahr auf weitere 10% Vergütungssteigerung einlassen. „Wir können uns auf derartige Erpressungen nicht einlassen“, erklärte die Verhandlungsführerin auf Hebammenseite, Katharina Jeschke, zu dem Angebot der Krankenkassen.

Über die Vertragsinhalte zu diesen von Seiten der Kassen so wage formulierten Bedingungen zu sprechen, wurde von Seiten der Krankenkassen vehement abgelehnt. So wurde nicht nur der schon anberaumte Verhandlungstermin von Seiten der Krankenkassen abgesagt, sondern weitere Termine schlichtweg abgelehnt.

Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes dazu:

„Diese Verweigerung ist skandalös! Eine weitere Hinhaltetaktik von Seiten der Kassen darf nicht weiterhin die Versorgungslage der Frauen verschlechtern. Die Zahlen des aktuellen Hebammengutachtens des Gesundheitsministeriums sprechen aber eine eindeutige Sprache: Die schon unter Gesundheitsminister Seehofer vorgebrachten Forderungen der Hebammen sind und waren absolut berechtigt! Nun versuchen die Krankenkassen blindwütig und mit unfairen Mitteln, ihre sogenannte Sparpolitik auf dem Rücken ihrer Versicherten und der Hebammen weiterzuverfolgen, um noch mehr Rücklagen anzuhäufen. Wir werden uns das nicht bieten lassen!“

Das Hebammengutachten hatte Anfang dieses Jahres einen durchschnittlichen Nettostundensatz einer Hebamme von 7,48 Euro ermittelt. Hebammen arbeiten somit also im Niedriglohnsektor. Eine Bezahlung, die ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit bei weitem nicht gerecht wird.

Die Hebammenverbände hatten daher bei ihren letzten Verhandlungen mit den Krankenkassen eine Vergütungserhöhung von 30% gefordert. Diese Zahl klingt isoliert betrachtet ziemlich hoch. Aber: 30% mehr sind das Minimum, was Hebammen zum Leben brauchen.

Katharina Jeschke, Beirätin für freiberufliche Hebammenarbeit im Deutschen Hebammenverband über die Einkommenssituation der Hebammen:

„Der jetzige Forderung einer 30%igen Erhöhung ist nicht verhandelbar. Sie bedeutet lediglich, dass Hebammen mit ihrem Einkommen über die Hartz IV – Grenze kommen. Selbst eine derartig groß anmutende Erhöhung enthält weder Rücklagen für die Selbständigkeit noch Rücklagen zur Vermeidung von Altersarmut.“

Ruth Sichermann, Vorsitzende des Netzwerks der Geburtshäuser führt dazu weiter aus:

„Langfristig wäre eine Erhöhung von 30% eine Investition, die Sparpotentiale für das Solidarsystem eröffnet: Je mehr intensive Hebammenbetreuung, desto weniger Kaiserschnitte. Die Krankenkassen wissen das auch, zahlen wollen sie dafür allerdings seit Jahren nicht. Damit muss jetzt Schluss sein.“

Susanne Schäfer, 1. Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands ist erbost:

„Wir hätten uns sehr eine gütliche Einigung mit den Krankenkassen gewünscht. Nun bleibt es beim Gang in die Schiedsstelle um ein weiteres Hebammensterben zu verhindern. Schon jetzt geben allerorts Hebammen ihren Beruf auf. Wenn nicht endlich etwas passiert, dann haben die Frauen bald keine Unterstützung bei der Geburt oder in der wichtigen Zeit danach. Denn die Krankenkassenmitarbeiter gehen nicht zu den Frauen nach Hause und begleiten sie in dieser schwierigen Zeit.“

Vor dem Sitz des GKV-Spitzenverbandes fanden sich heute spontan erzürnte Hebammen und Betroffene zu einer Mahnwache zusammen, um die Forderungen der Verbände zu bekräftigen.

„Ohne meine Hebamme hätte ich die Geburt nicht geschafft. Es wäre sicher ein Kaiserschnitt draus geworden“, berichtet eine  junge Mutter „Hebammen dürfen nicht aussterben, jede Schwangere braucht sie.“

Eine andere sagt:

„Das Wochenbett war eine harte Zeit für mich, alles neu und ungewohnt mit meinem Kleinen. Ohne meine Hebamme wäre ich verloren gewesen. Es kann nicht sein, dass die Hebammen für ihre segensreiche Arbeit so schlecht bezahlt werden, dass sie davon nicht leben können.“

Und Susanna Rinne-Wolf vom Berliner Hebammenverband fasst die Meinung vieler Hebammen in deutliche Worte:

„Die Zeichen bei den Hebammen stehen endgültig auf Sturm. Viele Hebammen reden von Streiks. Wenn die Krankenkassen nicht bald einlenken, kann ich das den Kolleginnen nicht verdenken.“

 

DHV - Deutscher Hebammenverband

Netzwerk der Geburtshäuser Bund freiberuflicher Hebammen Deutschland e.V.
DHV Netzwerk der Geburtshäuser BfHD
Edith Wolber,
Pressesprecherin
Ruth Sichermann,
2. Vorsitzende
Susanne Schäfer,
1. Vorsitzende

 

BfHD

(Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e. V.)
Vorstand:
Susanne Schäfer, 1. Vorsitzende, Kleinmachnow (V.i.S.d.P.)
Ulrike Aulbach, 2. Vorsitzende, Hamburg

5.992 Zeichen, Abdruck honorarfrei. Um Belegexemplar wird gebeten.

 

 

 

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